Untenstehendes ist ein Auszug aus einem Text von mir, der sich mit den veränderten Arbeitsbedingungen in der Pflege beschäftigt.
Wie schon bereits mehrfach beschrieben, hat die Versorgung durch un- oder angelernte Kräfte Auswirkungen auf die Qualität der Pflege. Auf der anderen Seite ist Pflege aus ökonomischen Gründen häufig nicht mehr realisierbar ohne diese Unterstützung. Euphemistisch wird häufig von einem „Neuen Personalmix“ gesprochen.
Allerdings finden sich keine definierten Grenzen, was nun noch originär, nicht delegierbare pflegerische Tätigkeiten sind und was nicht.
Verschärft wird diese Situation noch durch den Umstand, dass durch den aktuellen Ärztemangel in deutschen Krankenhäusern (ob dieser tatsächlich existiert oder nur herbeigeredet wird, bleibt noch zu klären) zunehmend ärztliche Tätigkeiten an pflegerisches Personal delegiert werden. Gegen diese Delegation ist grundsätzlich nichts einzuwenden. So erfordert Pflege ein hohes Maß an Wissen über Krankheit und Therapie, kombiniert mit einer guten Beobachtungs- und Entscheidungsfähigkeit. Hinzu kommt dass in vielen Krankenhäusern bereits jetzt schon viele Prozesse effektiv durch die Pflege gesteuert werden und diese Prozesssteuerung durch die Erfahrung, die in der Pflege existiert natürlich in Zukunft effektiv im Sinne des Patienten und des Krankenhauses ausgebaut werden kann. Verantwortungsvolle Tätigkeiten binden allerdings auch Ressourcen. Die Übernahme von Tätigkeiten kann nur erfolgen, wenn dazu hinreichend personelle Ressourcen zur Verfügung gestellt werden, und nicht wie bisher, dass Pflegeberufe Defizite im System mit den vorhanden Kräften kompensieren oder womöglich der Stellenabbau in der Pflege noch weiter voran getrieben wird
Mögliche Konsequenzen sieht Angelika Abt-Zegelin darin, dass in Zukunft familiäre Strukturen in der Krankenversorgung (wieder) greifen müssen. Wollen wir diesen Weg verhindern, müssen wir neben dem gesellschaftlichen Wert, den Pflege unbestritten hat, auch den ökonomischen Gewinn deutlich hervorheben.
Beruflich Pflegende belegen in den Krankheitsstatistiken die vorderen Plätze. Teilweise beträgt die Anzahl der Fehltage das Doppelte im Vergleich zu anderen Berufsgruppen . Diese hohe Anzahl an Fehltagen kann durchaus als Indiz für die belastenden Arbeitsbedingungen in Einrichtungen des Gesundheitswesens gesehen werden.
Quelle: „Pflegepersonen häufiger krank als Durchschnittsarbeitnehmer“ in: Die Schwester Der Pfleger 09/10, 838
Der DBfK hat eine Online-Aktion, bei der man seiner Meinung zur aktuellen Situation in der Pflege Ausdruck verleihen kann.
Mitmachen und weitersagen!
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (kurz: IQWiG) verliert an Bedeutung.
Wenn neue Medikamente auf den Markt kamen, waren die Pharmafirmen in der Pflicht, deren Zusatznutzen zu beweisen. So sollten unsinnige, angebliche Neuerungen vermieden und somit Kosten gespart werden. In Zukunft soll dies anders sein. Nun ist es am IQWiG zu beweisen, dass die Medikamente keinen Zusatznutzen haben!
Bisher war es ein langer Weg, oftmals mehrjährige Kosten-Nutzen-Analysen durchzuführen. Demnächst hat das IQWiG ganze drei Monate Zeit, auf der bis dahin angesammelten Datenbasis, Aussagen über den Nutzen eines neuen Medikamentes zu treffen. Kann das IQWiG bis dahin nichts bzw.nichts Nachteiliges vorweisen, wandert das Medikament automatisch in den Leistungskatalog der GKV.
Durch dieses Vorgehen werden die Kassenmitglieder gleich zweifach gemolken:
1. Das IQWiG wird durch die Beiträge der Kassenmitglieder finanziert. In Zukunft rausgeschmissenes Geld, wenn sowieso keine nützlichen Ergebnisse mehr geliefert werden können.
2. Durch dieses Vorgehen ist dem Missbrauch, unnütze Medikamente auf den Markt zu bringen und diese wiederum verschreiben zu lassen, Tür und Tor geöffnet. Die Rechnung dafür müssen alle Kassenmitglieder tragen.
Hinzu kommt noch, dass Medikamente, die früh eine positive Nutzenbewertung erhalten haben, nach einiger Zeit nicht wieder auf ihren Nutzen hin überprüft werden, sondern nur noch um die Vergütung zwischen Industrie und Kostenträgern verhandelt werden kann. Und Medikamente für seltene Krankheiten, werden in Zukunft gar nicht mehr auf ihren Nutzen hin überprüft, da sich die Forschung angeblich „nicht lohnt“! Flugs werden aus Krankheitsstadien eigenständige Erkrankungen gemacht, und die Kosten-Nutzen-Bewertung hat sich ganz erledigt.
Galt Deutschland bisher schon als Testgebiet mit herrlichen Vorraussetzungen für die Pharmaindustrie, entwickelt sich es jetzt zum wahren Paradies.
Möglich macht es das AMNOG (Gesetz zur Neordnung des Arzneimittelmarktes), welches ab 2011 gelten soll.
Das alles in einer Zeit, in der polemisch von Kostenexplosionen, Priorisierung, Fachkräftemangel und vielem mehr im Gesundheitswesen gesprochen wird, nimmt sich solch eine Entwicklung sehr merkwürdig aus.
Bericht dazu in der taz.
Ein mit öffentlichen Geldern gefördertes Projekt, entwickelt momentan Roboter, die die Pflege entlasten sollen.
Innerhalb des Projekts hat es einen Pilotversuch gegeben, bei dem in einem Stuttgarter Pflegeheim die beiden entwickelten Roboter erstmalig zum Einsatz kamen. Neben Arbeiten wie Post verteilen oder Wäschekörbe transportieren, wurden Heimbewohner auch mit Getränken versorgt (Becher mit Wasser wurde auf einem Tablett zum Bewohner gefahren).
Der Fachkräftemangel mag ja herausfordernd sein und interessante Ideen gebären. Ich habe auch nichts dagegen, Tätigkeiten wie z.B. Transport von Material automatisiert stattfinden zu lassen. Aber sogenannte patientennahe Tätigkeiten, und sei es nur das Wasser auf den Tisch zu stellen, müssen weiterhin durch Menschen erfolgen. Ansonsten sind wir tatsächlich auf einem Weg in entmenschlichte Krankenhäuser und Pflegeheime. Zur Pflege gehört es auch, sich mit den Menschen zu unterhalten, ihre Sorgen, Nöte und Ängste zu hören und ernstzunehmen.
Durch solche „Innovationen“ wird der Kontakt zum Menschen noch weiter reduziert und Pflege in ihrer Kompetenz degradiert.
Link zum WiMi-Care-Projekt
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